Rhön/Wildflecken

Truppenübungsplatz Wildflecken, Rhön-Kaserne, 97772 Wildflecken

Der 72,34 km2; große Truppenübungsplatz Wildflecken liegt zu drei Vierteln in Bayern und zu einem Viertel in Hessen. Der 17,57 km2; große Teil in Hessen wird durch den Haderwald gebildet.

Der in der Hohen Rhön gelegene zu zwei Dritteln bewaldete Truppenübungsplatz hat einen Mittelgebirgscharakter mit Höhen zwischen 400 und 928 Metern. Der Rest besteht vor allem aus sumpfigen Wiesen und felsigem Untergrund, so dass von der Gesamtfläche lediglich 21 km⊃2; als Übungsfläche zur Verfügung stehen. 6 km2; davon sind von Kettenfahrzeugen befahrbar. Es herrscht vorwiegend ein raues Mittelgebirgsklima vor, mit Nebel in Frühjahr und Herbst. Soldaten sprechen auch von „Bayerisch Sibirien„.

In einem 2004 beendeten Rechtsstreit zwischen dem Bundesverteidigungs- und Bundesfinanzministerium einerseits und dem Land Hessen andererseits, sicherte sich der Bund die Nutzungsrechte für den hessischen Teil des Übungsplatzes, wobei das Land Hessen den Haderwald als besonders schützenswerten Wald als Schutzgebiet im Rahmen des NATURA 2000 Programms der EU-Kommission meldete und damit gleichzeitig Verpflichtungen aus der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie erfüllt. Die Vereinbarung ist bundesweit die erste dieser Art zwischen Bund und Land zur Ausweisung eines Naturschutzgebiets in einem aktuell militärisch genutzten Truppenübungsplatz. Der Truppenübungsplatz ist Bestandteil des Biosphärenreservats Rhön. Im Haderwald gibt es alte Obstbaumbestände, die dem Gen-Erhaltungsprogramm der Rhöner Apfelinitiative einbezogen sind sowie Laubbaumwälder, die urwaldähnlichen Charakter haben. Das Schutzgebiet ist militärisches Sperrgebiet und darf nur mit Genehmigung des Standortkommandanten betreten werden. Große Gebiete sind mit Blindgängern verseucht.

Die Kommandantur im bayerischen Wildflecken (Landkreis Bad Kissingen) betreibt und unterhält die Truppenübungsplätze Wildflecken, Hammelburg, Schwarzenborn und Ohrdruf/Thüringen. Auf dem Übungsplatz Wildflecken können Schul- und Gefechtsschießen mit fast allen Waffen der Kampf- und Kampfunterstützungstruppen durchgeführt werden. Neben Schießbahnen dienen eine ehemalige Flugabwehrraketenbatterie und eine von der US-Armee zurück gelassene „Housing-Area„ der Ausbildung von Bundeswehrsoldaten für die Auslandseinsätze. Der Platz wird auch von ausländischen Soldaten genutzt.

In der Rhön-Kaserne wird das Gefechtsübungssimulationszentrum GUPPIS mit mehreren Hundert Rechnern betrieben. Hier werden Führungsstäbe der Ebenen Brigade und Joint Forces Headquarter an Computern ausgebildet, auf denen Geländeregionen von weit über 1000 mal 1000 km Größe dargestellt werden können. Simulationen können auch auf den Gefechtsständen real geübt werden. Die Rhön-Kaserne bietet 3.900 Unterkunftsplätze, davon 1.400 im Biwak. Seit November 2010 wird in speziellen Kursen der Umgang mit Sprengfallen als Vorbereitung für den Kriegseinsatz in Afghanistan geübt.